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Als der größte Meteorit der Welt entdeckt wurde
Dr. Pia Friederike Friend / Physik
Foto: UniService Transfer

Als der größte Meteorit der Welt entdeckt wurde

Ein Jahr100Wissen-Interview
mit der Dipl.-Geologin und Mineralogin Dr. Pia Friend


1920 wurde auf der Farm Hoba bei Grootfontein in Namibia ein 60 Tonnen schwerer Eisenmeteorit entdeckt. Wo kam er her?

Friend: Abgesehen von einigen wenigen Mars- und Mondmeteoriten kommen alle Meteorite aus dem Asteroidengürtel der zwischen Mars und Jupiter liegt. Auch der Hoba-Meteorit stammt aus dem Asteroidengürtel. Interessant ist, dass der Hoba-Meteorit genau wie unser Erdkern hauptsächlich aus Eisen-Nickel-Metallen besteht, und daher wahrscheinlich aus dem inneren Kern eines Himmelskörpers stammt.

Hoba schlug vor 80.000 Jahren ein und ist schätzungsweise 190 – 410 Millionen Jahre alt. Wie kommt es zu Meteoriteneinschlägen?

Friend: Im Asteroidengürtel wurden bis 2017 insgesamt 650.000 kleinere Himmelskörper von ca. 10 m bis 500 km Durchmesser erfasst. Diese Asteroiden umkreisen die Sonne auf bestimmten Flugbahnen; durch Kollisionen z.B. kann sich ihre Umlaufbahn jedoch ändern. Außerdem können dabei Bruchstücke entstehen, die ebenfalls eine geänderte Umlaufbahn als ihr Mutterkörper haben. So kann sich die Flugbahn dieser Asteroide oder deren Bruchstücke, auch Meteoroide genannt, mit der Umlaufbahn der Erde kreuzen. Durchdringt solch ein Himmelskörper die Erdatmosphäre fängt seine äußere Hülle an zu verglühen. Wenn er groß genug ist, bleibt aber der innere Teil erhalten und fällt als Meteorit auf die Erde.  

Um den Meteoriten herum fand man keinen Einschlagskrater. Warum nicht?

Friend: Nur sehr große Meteorite verursachen große, topographisch auffallende Krater bei ihrem Einschlag. Durch den massereichen Einschlag entsteht dabei jedoch auch so viel Energie, dass der gesamte Meteorit verpufft. In großen Meteoritenkratern werden also keine Meteorite mehr gefunden.
Der Hoba-Meteorit mag bei seinem Aufprall einen kleineren Krater verursacht haben, der dann allerdings in den darauffolgenden 80.000 Jahren durch Verwitterungsprozesse wieder „dem Erdboden gleichgemacht“ wurde.

Der Hoba gilt als der größte je auf der Erde entdeckte Meteorit. Der letzte bekannte Meteoriteneinschlag in NRW fand 1958 statt. Damals schlug bei Ramsdorf im Kreis Borken im westlichen Münsterland ein 4682 Gramm schwerer gewöhnlicher Chondrit ein. Gibt es eigentlich geographische Schwerpunktzonen, an denen häufigere Einschläge festzustellen sind?

Friend: Nein, es gibt keine besonderen Orte auf der Erde, an denen Meteorite besonders oft auftreffen; aber es gibt Stellen, wo die meisten Meteoriten gefunden werden: in den kalten und warmen Wüsten. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen verwittern die extraterrestrischen Gesteine durch das trockene Klima in den Wüsten langsamer und bleiben entsprechend länger erhalten. Zum anderen kann man die dunklen Gesteine auf dem gelben Sand oder im weißen Eis optisch besser erkennen. In den kalten Wüsten, am Nord-und Südpol gibt es außerdem regelrechte Anreicherungsprozesse von Meteoriten, durch die kontinuierliche Bewegung des Eises. Eingeschlossene Meteoriten werden so mitgeführt, bis das Eis vor einem Felsen zum Stehen gelangt und schmilzt. Im Laufe vieler tausend Jahre sammeln sich die Meteorite so vor einigen günstig gelegenen Felsen an.

Am 13. September 2019 bestätigte die Weltraumorganisation ESA, dass ein „natürliches Objekt, dass in die Erdatmosphäre eintrat, am Himmel verglühte“. Man sei sicher, dass es ein kleiner Asteroid mit einem Durchmesser von ein bis zwei Meter gewesen sei, der über der Nordsee bei Bremen verglühte. Wie häufig passiert so was?

Friend: Meteorite treten immer wieder durch die Atmosphäre der Erde. Aber die Langzeit Historie unseres Heimatplaneten zeigt, dass katastrophale Einschläge, welche Aussterbeereignisse nach sich ziehen, dann doch ausgesprochen selten vorkommen. Erdgeschichtlich gesehen, bergen Klimaveränderungen größere Gefahren für das Leben auf der Erde, als Meteoriteneinschläge und sollten uns daher schon eher sorgen.

Uwe Blass (Gespräch vom 16.12.2019)


Die Dipl.-Geologin und Mineralogin Dr. Pia Friend arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Astroteilchenphysik der Bergischen Universität Wuppertal.