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Prof. Dr. Nils Crasselt / Wirtschaftswissenschaft

 

Betriebswirtschaftslehre – Mehr als nur ein „Handwerkskasten“ für Unternehmen.

Professor Dr. Nils Crasselt und der Lehrstuhl für Controlling 

Nein, sein Traumstudienfach war die Wirtschaftswissenschaft zunächst nicht. Dass sie dennoch zur Berufung wurde, diese Erfahrung konnte der heutige Lehrstuhl-inhaber für Controlling in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Professor Dr. Nils Crasselt, am eigenen Leib erfahren.

Aufgrund seiner sehr guten Englischkenntnisse – er verbrachte zwei Jahre seiner Schulzeit in den USA – war zunächst Anglistik in der engeren Wahl. Vielleicht kombiniert mit Mathematik, dem zweiten Leistungsfach im Abitur. Aber Lehrer wollte der heutige Hochschullehrer damals nicht werden. Stattdessen entschied er sich für die Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zur Berufung wurde das Fach während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung der Ruhr-Universität Bochum. Dort promovierte er zum Thema „Wertorientierte Managemententlohnung, Unternehmensrechnung und Investitionssteuerung“; ein nach wie vor spannendes Thema, wie die aktuellen Entscheidungen des VW-Aufsichtsrates zu den Vorstands-gehältern gerade wieder zeigen. Nach Beendigung seines Habilitationsprojektes übernahm er 2008 den Lehrstuhl für Controlling an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universität.

Das kritische Urteilsvermögen wird geschult

Wichtig ist dem 44-Jährigen bei seiner Arbeit mit den Studierenden, dass sie in den Wirtschaftswissenschaften nicht nur einen „Handwerkskasten“ mit Instrumenten der Unternehmensführung kennenlernen, sondern vor allem auch Risiken beim Einsatz solcher Werkzeuge kritisch reflektieren. Nicht selten treten neben den gewünschten Wirkungen – zum Beispiel die Auswahl profitabler Investitionsprojekte – auch unerwünschte Nebenwirkungen wie eine gesteigerte Risikobereitschaft auf. Viele Unternehmenskrisen würden durch den unreflektierten Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente zumindest verstärkt, wenn nicht sogar hervorgerufen, meint Prof. Crasselt. Um solche Effekte aufzuzeigen, bindet er seine Studierenden in Forschungsexperimente ein. Auf diese Weise hat er unter anderem mit seinem Team untersucht, wie variable Gewinnbeteiligungen auf der Grundlage langfristiger Bemessungsgrundlagen, also mit Verrechnung von Gewinnen und Verlusten aus verschiedenen Perioden, das Entscheidungsverhalten und die Risikobereitschaft beeinflussen. Durch den Bezug auf solche Forschungsergebnisse in der Lehre erhalten die Studierenden Impulse zur Schulung ihres kritischen Urteilsvermögens. Dem gleichen Zweck dient der Dialog mit Praktikern aus der Wirtschaft. Regelmäßig lädt Crasselt Unternehmensvertreter zu Gastvorträgen ein, damit diese reale Probleme aus der Unternehmenswelt schildern und ihre Ansätze zur Problemlösung zur Diskussion stellen. Bei den Studierenden kommt die Mischung aus Theorieverankerung und Praxisbezug gut an. Die Bergische Universität bedankte sich bei ihm für sein Engagement bereits 2012 mit der Verleihung des Lehrlöwen.

Transferaktivität Krankenhauscontrolling

Ein aktuelles, für den Wissenschaftstransfer interessantes Forschungsthema betrifft das Krankenhauscontrolling. Seit 2011 führt Crasselts Lehrstuhl in Kooperation mit dem Deutschen Verein für Krankenhauscontrolling e.V. und der Münsteraner Unter-nehmensberatung ZEB.HEALTH CARE eine regelmäßige Befragungsstudie zum Stand des Controllings in deutschen Krankenhäusern durch. Schwerpunktthema der Studie im Jahr 2015 war die Kosten- und Erlösverteilung in Krankenhäusern, 2016 stand das sog. Benchmarking, also Kennzahlenvergleiche mit anderen Krankenhäusern, im Mittelpunkt. Mit dieser Studie analysiert er sowohl die bestehenden Controlling-Hilfsmittel als auch deren Weiterentwicklung, zum Beispiel durch die zunehmende Digitalisierung. Auch zukunftsweisende Themen werden angesprochen. In der Ausgabe 15 des Forschungsmagazins BUW OUTPUT betont Prof. Crasselt: „Neue Betätigungsfelder für das Krankenhauscontrolling ergeben sich für die Zukunft“ u.a. aufgrund der „Einführung pauschaler Entgelte auch für die Behandlung psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen“(1). Die Ergebnisse der Studie stoßen in Krankenhäusern deutschlandweit auf großes Interesse, regelmäßig hält Crasselt Vorträge auf transferorientierten Fachkonferenzen. Und auch die Studierenden an der Bergischen Universität profitieren von der Studie. Im Sommersemester 2017 wird das Lehrangebot um eine Vorlesung zum Krankenhauscontrolling erweitert, in der die Ergebnisse wiederum Anlass für kritische Diskussionen mit Studierenden sein werden. Die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen ist schließlich im Spannungsfeld zwischen ökonomischen und medizinischen Zielen besonders groß.

Masterabsolventen finden schnell einen Job

Die Studierenden an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft schätzt Prof. Crasselt als leistungsstark ein. Durch den doppelten Abiturjahrgang sei die Situation aktuell besonders gut. Das liegt daran, dass aufgrund des hohen Andrangs durch den Wechsel auf G8 der Numerus Clausus hochgesetzt werden konnte. Und gute Studierende haben auch sehr gute Chancen auf einen Job. Von den Absolventen mit Masterabschluss erhalten zurzeit die meisten innerhalb der ersten drei Monate einen Job. Diese positiven Aussichten sollten auch in Zukunft neue Studierende an die Wirtschaftswissenschaft heranführen und wer weiß, vielleicht finden sie sich dann auch am Lehrstuhl für Controlling ein. Zielgruppenorientiert betreibt der Lehrstuhl jedenfalls auch seine eigene Facebook-Seite, die mittlerweile von fast 2000 Menschen geliked wurde. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis.

Uwe Blass (Gespräch vom 06.03.2017)

(1) Aus: BUW OUTPUT, Nr. 15, Seite 34


Prof. Dr. Nils Crasselt studierte Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach dem Abschluss zum Diplom-Kaufmann war er von 1997 bis 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung (Prof. Dr. Bernhard Pellens) der Ruhr-Universität Bochum tätig. 2002 promovierte er. Seit Beginn des Wintersemesters 2008/09 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universität Wuppertal.

http://controlling.uni-wuppertal.de/index.php?id=121