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Prof. Dr. Stefan Bock
Foto: UniService Transfer

 

Jede Uni, die nach vorne will, braucht die Informatik

WINFOR-Leiter Professor Dr. Stefan Bock optimiert nahezu alles

WINFOR steht für Wirtschaftsinformatik und Operations Research, einem Lehrstuhl im Bereich der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, der Schumpeter School of Business and Economics, an der Bergischen Universität.

So umfangreich die Beschreibung innerhalb der Universität auch ist, umso konkreter sind die Herausforderungen, an denen der Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Stefan Bock, forscht und arbeitet.

Prozessoptimierung ist das Thema, also die vernünftige, mathematisch zielsichere Festlegung von komplexen Prozessen in Betrieben der freien Wirtschaft. Und so begann es…

Vom Spieleprogrammierer zum faszinierten Informatiker

Um sein mathematisches Interesse zu bedienen, entschied sich der gebürtige Bielefelder und bekennende Borussia Mönchengladbach Fan (es gibt ein Leben außerhalb der Lehre) nach geleisteter Bundeswehrzeit zu einem Informatikstudium (mit Nebenfach Betriebswirtschaftslehre) an der Universität Paderborn. Zunächst wollte er seine Kenntnisse am Programmieren -genauer gesagt, am Spiele programmieren- verbessern, fand dann aber immer mehr spannende Antworten auf nicht minder herausfordernde Fragen, die ihn schon lange beschäftigt hatten. Das Interesse am Fach entwickelte und festigte sich mit dem Studium. Sein erster Berufswunsch - nach erfolgreicher Promotion im Fach Betriebswirtschaftslehre - war ein Job in der Unternehmensberatung, denn, so sagt er auch heute: „Manche Unternehmer wissen oft nicht, welche Daten im Unternehmen vorhanden sind und was man damit sinnvoll anfangen kann.“

America, here I come

Ein dreimonatiger Forschungsaufenthalt führte ihn 2006 (und noch einmal 2007) in die Vereinigten Staaten, wo sich sein Bild von einem Amerika für Wissenschaftler prägte. Und da kennt seine Begeisterung keine Grenzen. Die Atmosphäre an der Leonard N. Stern School of Business der New Yorker University bei Professor Pinedo empfand er als äußerst interessant, extrem forschungsorientiert und durch den engen Kontakt zu den Professorenkollegen, absolut effizient. Selbst dem spartanischen Leben in einer jüdischen Jugendherberge in Manhattan –Wohnungen dort sind unbezahlbar- konnte er viel abgewinnen. Kein Komfort, aber jüdisches Leben pur und interkulturelle Kontakte, die fürs Leben prägen. Daher befürwortet und unterstützt er generell Auslandsaufenthalte und -kooperationen. In dieser Zeit erreichte ihn auch sein Ruf an die Bergische Universität, den er 2006 annahm.

WINFOR all?

Mathematische Algorithmen sind sein Steckenpferd und die nutzt er heute, um damit bestimmte Verfahrensweisen zu optimieren. Im Gespräch erläutert er dies am Beispiel des Vehicle Routing (Tourenplanung) der Zeitungszustellung in Dortmund. WINFOR simuliert und optimiert u.a. die Fahrtrouten der eingesetzten Fahrzeuge für eine effektive Zeitungsnachlieferung und bindet dabei in Echtzeit alle neuen Aufträge ein, die im laufenden Prozess zusätzlich berücksichtigt werden müssen, immer um die Kundenunzufriedenheit zu minimieren.

Bock, S., Ferrucci, F.: Ein pro-aktiver Ansatz zur echtzeitfähigen Steuerung von Vehicle Routing Prozessen unter Nutzung multipler Profile.[1]

Dazu analysiert Bock mit seinem Lehrstuhl Vergangenheitsdaten von Auftragseingängen, die er örtlich und zeitlich zuordnet und anschließend wieder zu sog. Clustern verdichtet, die speziellen Qualitätskriterien genügen. Die Programmierung ist hierdurch in der Lage, aus Vergangenheitswerten Wahrscheinlichkeit bezüglich des Eintretens eines Ereignisses (z.B. ein neuer Auftrag in einem bestimmten Stadtteil) vorauszusagen und zeitnah darauf zu reagieren beziehungsweise Fahrzeuge pro-aktiv dort hinzuschicken.

Die scheinbar abstrakten Zahlenspiele werden dann im konkreten betrieblichen Anliegen und Prozess sichtbar. Die erforderlichen Touren der oben genannten Zeitungsnachlieferung können somit sinnvoll und hoch effizient organisiert werden. Dieses Vorgehen lässt sich auf viele andere komplexe Arbeitsabläufe übertragen, die Anfragen sind daher vielfältig und herausfordernd für den Lehrstuhl. Als weitere Beispiele seien hier u.a. Abtaktung von Fließ- bzw. Transportbändern oder Containersteuerungen in Häfen genannt.

Entscheidungsfindung ist Gewinn

Informatik ist die Zukunft, da ist sich Professor Bock ganz sicher und sagt selbstbewusst: „Eine Uni, die heute ohne Informatik nach vorne will, die hat ein Problem“. Bei jeglicher Entscheidungsfindung werden Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, die Arbeit der Wirtschaftsinformatik und des Operations Research unterstützend benötigen.

Vielleicht führen künftige Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft dazu, dass Absolventen nach dem Masterstudiengang sowohl den weiteren Weg an der Hochschule mit dem Ziel der Promotion verfolgen können, aber zugleich auch erste Fachverantwortungen in der unternehmerischen Praxis erhalten. Diese zweigleisige Weiterqualifizierung würde sich Professor Bock wünschen, denn diese Möglichkeit, und die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse der Prozessoptimierung wären ein WINFOR all. Und genau darum geht es doch im Transfer.

Uwe Blass (Gespräch vom 20.03.2017)

[1] Ferrucci, F.; Bock, S.: Pro-active real-time routing in applications with multiple request patterns. European Journal of Operational Research Vol. 253(2), S.356-371, 2016.

http://www.winfor.uni-wuppertal.de/index.php?id=38



Prof. Dr. Stefan Bock studierte in Paderborn ab 1993 Informatik mit Nebenfach BWL, in dem er auch promovierte und habilitierte. Von 2004 – 2006 arbeitete er dort als Hochschuldozent für Wirtschaftsinformatik. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Leonard N. Stern School of Business der New York University (NYU) übernahm er ab Oktober 2006 die Universitätsprofessor für Wirtschaftsinformatik und Operations Research an der Bergischen Universität Wuppertal.