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Formen der Selbstständigkeit

Wer sich selbstständig macht betreibt entweder ein Gewerbe oder gehört zu den freien Berufen.

Freiberufler*innen sind Personen, die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, schriftstellerische, beratende, behandelnde, erzieherische oder unterrichtende Tätigkeiten ausüben. In diese Sparte fallen u. a.: Ärzt*innen, Architekt*innen, Anwält*innen, Steuerberater*innen, Krankengymnast*innen, Journalist*innen; Dolmetscher*innen und ähnliche Berufe (siehe auch §18 (1) Einkommenssteuergesetz). Bei einer freiberuflichen Tätigkeit steht somit die geistige, schöpferische Arbeit im Vordergrund.

Gewerbetreibende handeln in der Regel mit selbstproduzierter und/oder eingekaufter Ware. Hier wird also ein Produkt (dazu gehört auch Software) auf den Markt gebracht. Gewerbetreibende Berufe sind beispielsweise produzierende Betriebe, Handelshäuser oder Gaststättenbetriebe.

Diese beiden Formen unterscheiden sich darüber hinaus im Anmeldeverfahren, in der Gewinnermittlung, der Kammerzugehörigkeit und in der Gewerbesteuerpflicht.


Freiberufler*in

Anmeldung: Freiberufler*innen melden sich beim örtlichen Finanzamt und füllen dort (oder zuhause) den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus. Nachdem sie diesen zurückgeschickt haben, erhalten die Freiberufler*innen ihre Steuernummer für ihr Unternehmen.

Gewinnermittlung: In der Regel reicht eine Einnahmenüberschussrechnung, d. h. man stellt die Einnahmen den Ausgaben gegenüber (keine doppelte Buchführung, keine Bilanzierung).

Steuer: Da Freiberufler*innen kein Gewerbe anmelden müssen, bezahlen diese somit auch keine Gewerbesteuer. Umsatzsteuer und Einkommenssteuer müssen jedoch gezahlt werden.

Kammerzugehörigkeit: Freie Berufe sind nicht den Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern angeschlossen. Freiberufler*innen müssen sich jedoch bei der jeweiligen Standeskammer anmelden (z. B. folgende Berufe: Ärzt*in, Anwält*in, Architekt*in, beratende Ingenieur*innen etc.). Nicht für alle freien Berufe gibt es jedoch Standeskammern. Auskunft erteilt hier ein/e Steuerberater*in.


Gewerbetreibende

Allgemein: Gewerbetreibende werden nach Kleingewerbetreibenden (Umsatz kleiner als 600.000€/Jahr, Gewinn kleiner als 60.000€/Jahr, kein Handelsregistereintrag, Rechtsform Einzelunternehmer*in oder GbR) und Kaufleuten (höherer Umsatz/Gewinn, Handelsregistereintrag, Rechtsform OHG, GmbH, AG) unterschieden.

Anmeldung: Gewerbetreibende melden Ihr Gewerbe zunächst bei der zuständigen Gewerbemeldestelle an (vor Ort oder online). Dabei ist es völlig unerheblich, ob eine neben- oder hauptberufliche Selbständigkeit angestrebt wird. Das Gewerbe muss immer in der Stadt angemeldet werden, in der es durchgeführt wird. In Wuppertal wäre das z. B. vor Ort im Rathaus Barmen. Das Gewerbe muss gleichzeitig mit dem Beginn der gewerblichen Tätigkeit angemeldet werden (und nicht erst Wochen später). Durch die Gewerbeanmeldung werden in der Regel das Finanzamt, das statistische Landesamt und die IHK bzw. die Handwerkskammer von der Ausübung des Gewerbes informiert. Das Finanzamt schickt den steuerlichen Erfassungsbogen zu.
Hinweis: Wenn von vornherein feststeht, dass eine Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH) gegründet werden soll, muss vor der Gewerbeanmeldung zunächst ein Gesellschaftervertrag erstellt werden.

Gewinnermittlung: Für Kleingewerbetreibende gilt die einfache Buchführung nach der Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR). Nimmt das Kleingewerbe unter 22.000 € ein, können Kleingewerbetreibende auf die EÜR verzichten und lediglich eine Steuererklärung machen (Kleinunternehmerregelung). Ansonsten muss die doppelte Buchführung durchgeführt und am Ende des Geschäftsjahres die Jahresbilanz erstellt werden.

Steuer: Gewerbetreibende müssen Gewerbesteuer zahlen. Hierfür gelten folgende Freibeträge:
•    Bei natürlichen Personen und Personengesellschaften bis zu 24.500€
•    Bei bestimmten sonstigen juristischen Personen, zum Beispiel rechtsfähigen Vereinen, bis zu 5.000€
•    Für Kapitalgesellschaften ist kein Freibetrag vorgesehen.
Die Gewerbesteuer wird im Voraus gezahlt und zwar bei mit dem Kalenderjahr übereinstimmendem Wirtschaftsjahr am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und am 15. November eines Jahres. Bei einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr sind die Vorauszahlungen bereits während des abweichenden Wirtschaftsjahres zu entrichten. Die Vorauszahlung hat den Sinn, dem Steuerpflichtigen eine hohe Steuernachzahlung zu ersparen. Darüber hinaus soll diese Maßnahme für einen kontinuierlichen Geldfluss in den Staatshaushalt sorgen.
Des Weiteren müssen die Umsatzsteuer, die Einkommenssteuer und im Falle einer Kapitalgesellschaft (UG, GmbH, AG) die Körperschaftssteuer bezahlt werden. Werden Mitarbeiter*innen eingestellt, müssen Gewerbetreibende auch deren Lohnsteuer an das Finanzamt abführen.

Kammerzugehörigkeit: Für Gewerbetreibende gilt die Kammerpflicht. Sie müssen sich entweder bei der Industrie- und Handelskammer (für Wuppertal: www.bergische.ihk.de) oder bei der Handwerkskammer (für Wuppertal zuständig: www.hwk-duesseldorf.de) anmelden. Die Gewerbemeldestelle benachrichtigt die Kammern über die Neugründung.

Mischformen

Eine Mischform tritt auf, wenn Aspekte beider Formen in Ihrem Gründungsvorhaben auftreten. Beispiel: Sie sind Unternehmensberater*in und bieten Softwareschulungen an. Das ist zunächst eine rein beratende bzw. unterrichtende Tätigkeit, also freiberuflich. Wenn Sie dann aber über Ihr Unternehmen noch bestimmte Softwarepakete verkaufen, kommen gewerbliche Aspekte ins Spiel, da Sie dann ja bis zu einem gewissen Grad mit Ware handeln. Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrer Steuerberater*in, in welchem Umfange Sie dann zur Zahlung von Gewerbesteuer verpflichtet sind bzw. welche weiteren Schritte Sie unternehmen müssen.

Rechtsformen eines Unternehmens

Möchten Sie Ihr Gründungsvorhaben als einzelne Person durchführen, sind Sie automatisch ein/e Einzelunternehmer*in. Das gilt für Gewerbetreibende wie für Freiberufler*innen. Ab zwei Gründer*innen aufwärts spricht man von einer Gesellschaft. Hier wird zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterschieden.

Personengesellschaften

Hierzu gehören z. B. die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder die Offene Handelsgesellschaft (OHG). Eine Personengesellschaft hat den Vorteil, dass sie ohne die sogenannte „Kapital-Einlage“ gegründet werden kann, wie es bei den Kapitalgesellschaften der Fall ist. Dafür haften die Gesellschafter*innen aber im Schadensfall mit ihrem Privatvermögen, da es keine Haftbeschränkung gibt.

Kapitalgesellschaften

Hierzu gehören z.B. die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (UG), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft (AG). Für diese Rechtsformen müssen Sie Kapital für die Einlage aufbringen und zwar ab 1€ für die UG, ab 25.000€ bei der GmbH und ab 50.000€ im Falle der AG. Im Schadensfalle haften diese Gesellschaften mit ihren Unternehmenswerten, welche neben der Kapitaleinlage auch aus Sachwerten (z.B. Maschinen oder Geschäftsausstattung) und geistigem Vermögen (z.B. Patenten) bestehen kann.

Hinweis zur UG: Die UG ist die Einstiegsvariante zur GmbH. Sie soll laut Gesetzgeber mit der Zeit zu einer „normalen“ GmbH werden. Daher besteht für diese Rechtsform eine Ansparpflicht. Ein Viertel des Jahresüberschusses muss zurückgelegt werden, bis mindestens 25.000€ erreicht sind. Mit diesem Betrag kann man die Einlage auf den Mindestbetrag für eine GmbH erhöhen und Umfirmierung über einen Notar vornehmen lassen.

Ablauf: Gründung einer Kapitalgesellschaft


Um eine Kapitalgesellschaft anzumelden müssen Sie sich zunächst auf eine Gesellschaftsform einigen. Dabei erhält die Gesellschaftsform einen Namen.

Der Name der Gesellschaftsform muss bei der IHK gemeldet werden, um zu überprüfen, ob ein ähnlicher oder verwechselbarer Namen im Handelsregister existiert. So ist es bspw. nicht möglich noch einmal die Adidas GmbH zu gründen. Wenn der angedachte Name verfügbar ist, bestätigt Ihnen dies die Industrie und Handelskammer (IHK).

Mit der Freigabe durch die IHK müssen Sie zu einem Notar gehen, um einen Gesellschaftervertrag zu erstellen bzw. diesen notariell beglaubigen zu lassen. Die meisten Notare haben vorgefertigte Musterverträge. Nehmen Sie also frühzeitig Kontakt zu einem Notar auf, um Ihre angedachten Gesellschaftsvertragsanpassungen einbinden zu lassen.

Nachdem der Notar Ihren Gesellschaftervertrag beglaubigt hat, schickt er in der Regel die Unterlagen an das zuständige Finanzamt und das Handelsregister. Beim Finanzamt erhalten Sie dann eine Steuernummer und Sie werden im Handelsregister veröffentlicht.

Als Kapitalgesellschaft können Sie erst dann Rechtsgeschäfte oder Anmeldungen wie bspw. die Gewerbeanmeldungen oder die Eröffnung eines Geschäftskontos beantragen, wenn Sie den zuständigen Stellen den beglaubigen Gesellschaftervertrag vorlegen. Daher ist ein frühzeitiges Informierten bei der Industrie und Handelskammer (IHK) und einem Notar sinnvoll.